Should I Stay or Should I Go?!

frei nach dem Science-Fiction-Roman „The Dispossessed“ von Ursula K. Le Guin, in einem Theatertext von Hannah Beckmann und lyrischen Elementen von Julia Dorsch.

@ Gabriel Enrique Corredor Aristizabal

VON ANARCHIE, DEM DAZWISCHENSTEHEN UND DER EWIGEN SUCHE NACH BEDEUTUNGSLOSIGKEIT

„Should I Stay or Should I Go?!“ – frei nach dem Science-Fiction-Roman „The Dispossessed“ von Ursula K. Le Guin, in einem Theatertext von Hannah Beckmann und lyrischen Elementen von Julia Dorsch.

Denn egal, wie man mit Weltschmerz umgeht: Gemeinsam hat man den Glauben an bessere Tage. Und das heißt, dass man die Chance hat, in der Krise seinen Platz, seine Aufgabe zu finden. So machen es die Anarchist*innen in Ursula Le Guins Utopie. Ständig scheiternd lassen sie sich immer weiter von der Hoffnung leiten, dass sich irgendwann das Bessere durchsetzt. Sie lieben ihre Welt bedingungslos, auch wenn sie sie immer wieder enttäuscht. Romantisch, oder?

– Peter Weissenburger, „Glaube an bessere Tage“ (taz.de)

Ursula K. Le Guin (*1929 - 2008) ist bekannt für ihre zahlreichen Fantasy- und Science-Fiction-Romane. Doch auch mit literarischen Essays wie der „Tragetaschentheorie der Fiktion“ leistete sie einen wichtigen Beitrag in der Diskussion über feministische Erzählweisen. Entgegen der konventionellen Erzählung der Held:innenreise bietet ihr Ansatz der Tragetaschentheorie eine wichtige Perspektive in einer Welt voller Populismus und einer Tendenz zu einfachen, binären Antworten. Ihr Roman „The Dispossessed“, in alten Übersetzungen „Planet der Habenichtse“ bzw. „Die Enteigneten“ und in der neuesten Übersetzung „Freie Geister“, erschien 1974 und trägt den treffenden Untertitel „Eine zwiespältige Utopie“. Veröffentlicht in einer Zeit des Kalten Krieges und des wachsenden Hyperkapitalismus fügt dieser Roman eine interessante Perspektive zum kommerzialisierten Lebensstandard des Globalen Nordens hinzu. Visionär beschreibt Le Guin mit dem untergegangenen Planeten Terra unsere vom Klimawandel zerstörte Erde und versucht gleichzeitig, mit dem Mond Anarres eine unerreichbare Utopie des Anarchismus zu Ende zu denken – und trotzdem ambivalent zu bleiben.

Ihre Hauptfiguren scheinen oft nicht ganz in ihre Kultur zu passen, und so ist es auch in „Freie Geister“: Der Physiker Shevek, in unserer Adaption eine Physikerin, will seinen Heimatplaneten Anarres verlassen, um auf dem Nachbarplaneten Urras seine Theorien zur Zeitlichkeit fortzusetzen. Die beiden politisch konträren Nachbarplaneten, das anarchistische System Anarres und der kapitalistische Planet Urras, haben ihre Kommunikation auf ein Minimum beschränkt. Shevek steht zwischen beiden Gesellschaftsformen.

Seine Forschungen widersprechen den solidarischen Idealen seiner Heimat, und auch mit den Menschen aus Urras stößt der Anarchist auf Widerstände. In unserer Adaption stellen wir uns den Grundfragen von Le Guins Roman: Was sind die Konsequenzen, seine Heimat und Gesellschaft hinter sich zu lassen – gibt es überhaupt ein Recht darauf, zurückzukehren?

Was sind die politischen und persönlichen Ebenen vom Bleiben und vom Gehen? Was passiert mit Wissen, wenn es in die falschen Hände gerät? Wir katapultieren drei konträre Figuren aus Le Guins Roman auf den anarchistischen Planeten Anarres und lassen sie über diese Fragen verhandeln.
Den Holzpark Klybeck haben wir bewusst als theatralen Spielort ausgewählt. Als städtische
Zwischennutzung, Partyort, ehemaliger Wagenplatz und linker, anarchistischer Raum schien uns dieser Ort thematisch treffend. Auch hier diskutieren verschiedene Perspektiven über das Gehen und das Bleiben, über das Recht auf Wohnraum, über Kommerzialisierung, über das Teilen einer umstrittenen Brachfläche der Stadt Basel. Der Rote Korsar, als unkonventioneller und vielseitig genutzter Ort, wird bei unseren Aufführungen nun zu Anarres, zu einem anarchistischen Syndikatsraum und zu einer Projektionsfläche für
unsere Fragen.

– Sophie León Pellegrin

Besetzung

Spielerinnen

SHEVEK Gioia Gwin
VEA Emma Yaiza Sacks
BEDAP Luana Weiß
ELOWAN Leona Bert
MITIS / PRAVIC / TIRIN Friederike Karpf,
Sophie León Pellegrin,
Julia Scholz

Autor:innen

Hannah Beckmann, Julia Dorsch

Regie

Friederike Karpf

Dramaturgie

Sophie León Pellegrin

Bühnen- und Kostümbild, Maskenbild

Julia Scholz

Ausstattungsassistenz & Maskenbild

Maria von Knobelsdorff

Sounddesign

Ana Sofía Aillaud Trasviña

Produktionsleitung

Mara Gyr

Licht/Technik

David Schwegler

Regie- und Dramaturgieassistenz

Janika Imwinkelried

Foto- und Videoarbeit

Gabriel Enrique Corredor Aristizabal

Foto Plakat

Birgit Mantek

Grafikdesign Plakat

May Petersen

Programmheft

Sophie León Pellegrin (Text) & Julia Scholz (Grafik)

Helping Hands

Christian Müller I Gianna Schläpfer I Dominick Beck I Cleo Hemmeter I Felix Feddersen I
Oscar Gmelin I Florian Groten I Andy Kirk I León Aillaud